Hanne und ihr Schauspielhäuschen

Hanne Mogler von der Kleinkunstbühne Foolsgarden im Hamburger Schanzenviertel erhält am Montag den Rolf-Mares-Preis für ihre Leistungen um das Theater außerhalb des Rampenlichts. Seit 30 Jahren leitet sie die unkonventionelle Bühne

Mühsam schiebt Hanne Mogler ihr rotes Damenfahrrad die Lerchenstraße hinauf. Die kleine, schwarzgekleidete Frau ist schwer bepackt mit Einkäufen: Weinflaschen im Fahrradkorb, Toilettenpapier unter dem Arm und Plastiktüten am Lenker. Alles für ihr Theater. Eine Hand für die Zigarette ist trotzdem frei.

Ihr Leben hat sie dem Foolsgarden verschrieben, einer kleinen Bühne im Hamburger Schanzenviertel. Seit sie vor 30 Jahren das Theater gründete, ist sie Leiterin, Veranstalterin und Tresenchefin. Dafür wird ihr am Montag der Rolf-Mares-Preis verliehen. Er wird von den staatlichen und privaten Hamburger Theatern ausgelobt und erinnert an den 2002 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Kulturausschusses der Bürgerschaft und Mitarbeiter an mehreren Hamburger Theatern. Erstmalig wird eine Sonderauszeichnung für „langjährige außergewöhnliche Leistungen im Rahmen des Hamburger Theaterlebens, jedoch abseits des Rampenlichts der Bühne“ vergeben. Das passt fast schon zu gut.

Das Foolsgarden wirkt wie ein nachträglich überdachter Hinterhof. Gelbe Ziegelsteine am Boden, rote Kacheln vor der niedrigen Bühne, auf der Kleinkunst, Kabarett, Zauberei und Konzerte ihr Publikum finden. In der Mitte des Raumes springen gerade ein paar buntgekleidete Frauen umher, schütteln sich und brummen seltsam unartikuliert: Eine Künstlergruppe, die sich für ihre Probe lockert.

Das Büro und gleichzeitig die Wohnung von Hanne Mogler befindet sich direkt darüber. Es herrscht altertümlich-gemütliche Studenten-WG Atmosphäre, doch es ist penibel aufgeräumt. Vor allem der Schreibtisch beeindruckt durch akribisch angeordnete kleine Notizzettel. „Sonst finde ich ja nichts wieder“, sagt Hanne und raucht. Hier organisiert sie ihr Lebenswerk, arbeitet mit unglaublicher Energie und Freude für den Fortbestand. Sie hört gleichzeitig den Anrufbeantworter ab, spricht mit einer jungen Musikerin, die zufällig vorbeikommt und sucht Informationen und Fotos zum Foolsgarden. Dabei findet sie immer Zeit zu rauchen.

Entstanden ist das Theater als Möglichkeit, freien Künstlern jenseits des Staatstheaters eine Bühne zu bieten. Die Ursprünge gehen auf die Straßenclowns und -künstler der Fools-Bewegung aus den Siebzigern zurück.

Damals eröffnete der erste Foolsgarden in der Bornstraße am Grindel. Als das Gebäude abgerissen wurde und im Garten schon die großen Pappeln der Säge zum Opfer fielen, packte sie im Haus noch die Kartons. Aber Hanne lässt sich nicht unterkriegen. Aus dem Holz der Bäume baute sie Tische für die noch zu findenden Räume und suchte nebenbei ein neues Zuhause. Im Schanzenviertel wurde sie fündig. In einer ehemaligen Schinkenräucherei packte sie die Kartons wieder aus. Dort lebt und arbeitet sie nun seit 1996. Und die Künstler kommen immer noch.

„Hier gibt es alles, von saugut bis sauschlecht“, sagt sie und steckt sich eine Zigarette an. Und so kommt es auch, dass es manchmal „richtig voll“ ist, also 40 Leute im Publikum sitzen oder eben nur vier. Dann bleibt nicht viel Geld übrig. Der Eintritt geht zu 100 Prozent an die Künstler. Hanne Mogler und der Foolsgarden leben von der Kulturbehörde und der Gastronomie. Das ist nicht viel, aber Angst hat sie nicht: „Quatsch“, sagt sie. Das macht sie häufig und gerne. „Auf meiner Bühne haben schon so viele Leute angefangen, die heute prominent sind, zum Beispiel Corny Littmann, Django Edwards, Stefan Gwildis, Alma Hoppe oder auch Bastian Pastewka, damals noch mit den Comedy Crocodiles. Die spielen heute natürlich in größeren Häusern, aber sie bleiben mir treu“, wenn es mal wieder ganz schlecht läuft – und das kommt häufiger vor – veranstalten Hanne Mogler und ihre Freunde eine Benefizveranstaltung zu Gunsten des Theaters und dann geht es immer irgendwie weiter. Hanne Mogler steckt sich die nächste Mentholzigarette an.

Aber nicht nur talentierte Stars von morgen treten bei Hanne auf, sondern auch ambitionierte Laien. Hier findet jeder seinen Platz. Wer sie besonders beeindruckt oder erfreut hat, will Hanne nicht verraten. Vermutlich würde es gegen ihr Prinzip der Gleichbehandlung verstoßen. Sie mag offenbar alle gern. Wer mit Hanne Mogler spricht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie schon alles gesehen hat. Trotzdem wird sie nervös, wenn sie an die Ehrung denkt: „Ich weiß gar nicht, was ich anziehen soll.“ JAN WEHBERG

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Hanne Mogler und der Foolsgarden

Ein Leben für die Kleinkunst

Aprill 2003

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Ein Jubiläum steht an. Am 03. Und 04. Mai 2003 wird gefeiert:
25 Jahre Foolsgarden. Bühne, Theater und Bar in der Lerchenstraße, inmitten des Schanzenviertels. Heimat für Zauberei, Musik, Theater, Kleinkunst, Pantomime und Skurriles. Hort für Kulturbeflissene und Künstler, Freaks und versprengte Nachtschwärmer. Treffpunkt zwischen Alter und Neuer Flora, Fixstern und Yuppie-Bars, Döner-Buden und Design-Shops, die das Viertel prägen und stetig verändern. Ein Mikrokosmos, der die Kultursenatoren kommen und gehen gesehen hat.

Der Foolsgarden ist geblieben. Seit zwei einhalb Jahrzehnten hat er seinen festen Platz in der Hamburger Musik- und Kleinkunstszene, jenseits von Pomp, Prestige und Promi-Präsentation.
Hier steht Hanne Mogler Nacht für Nacht hinterm Tresen. Kellnert. Wäscht ab. Leert Aschenbecher. Kämpft mit den Behörden und engagiert Künstler, die allabendlich ihr Programm präsentieren. Hanne Mogler ist Selfmade -Woman, die gute Seele des Hauses oder einfach: “Uns Hanne”.

Corny Littmann, Dominique Horwitz, Ernie Reinhardt alias Lilo Wanders, Alma Hoppe, Herrchens Frauchen, Christian von Richthofen, Stefan Gwildis – sie alle und viele mehr starteten hier ihre ersten Gehversuche noch bevor irgendwer eine müde Mark auf sie gesetzt hatte.


Bis heute macht Hanne Mogler keinen Unterschied zwischen Stars, Sternchen und Amateuren. “Bei mir kann jeder spielen”, sagt sie. “Ich wähle nicht aus. Hier sind alle gleich.”

1978 gründete Hanne Mogler den Foolsgarden in der Bornstraße, mitten im Universitätsviertel. Dort blieb sie bis 1996, als das Haus abgerissen wurde. Seitdem residiert der Foolsgarden in der Lerchenstraße.
Die Künstler kommen aus verschiedenen bereichen, Theater, Varieté, Musik, Travestie, Kabarett, Comedy ect. und erhalten 100% des Eintritts.
Der Foolsgarden ist ein Förderverein ohne finanzielles Eigeninteresse.

1947 in Wüstenrot geboren, führte es Hanne Mogler über Berlin nach Hamburg. In einer Zeit, die die Kleinfamilie feierte und in der Ruhe erste Bürgerpflicht war, zog sie, grade 18 Jahre alt, als alleinstehende Mutter ihren Sohn Pascal auf.

Sie lernte Dekorateurin und ging ihren eigenen Weg: Pantomimenausbildung in Paris. Straßentheater.

Frontsängerin in einer Band mit Udo Lindenberg. “Hanne hat Feeling und Power.”, so der Mann mit dem Schlapphut damals, der ihrem Sohn Pascal das erste Schlagzeug besorgte.

1983 ein tragischer Einschnitt: Im Alter von 17 Jahren kommt Pascal bei einem Unfall ums Leben. Der Foolsgarden, die Künstler, die Kunst werden Hanne Moglers Familie.
Sinn und Inhalt für ein Leben, dass der Kultur gewidmet ist. Am Rande des Existenzminimums folgt sie ihrer Leidenschaft für Bühne und Kleinkunst.
Sie liebt bis heute was sie macht; und sie macht was sie liebt.

Und wenn am Ende der täglichen Veranstaltungen die Künstler schon gegangen sind und die letzten Gäste an der Theke sitzen, greift sie manchmal zu ihrem Instrument, eine alte Säge und bringt selbst die zum singen.

In ihren wenigen ruhigen Momenten träumt Hanne Mogler von einem Haus am Meer, in dem sie sich einfach zurücklehnt und jemandem ihre Geschichte erzählt, der sie mitschreibt. “Doch vermutlich werde ich hinterm Tresen sterben,”, sagt sie lachend und eilt zum Telefon, den nächsten Termin klar machen, den nächsten Künstler engagieren. Hanne Mogler hat wie kaum eine andere Frau dem Untergrund der Hamburger Kultur Leben eingehaucht, ohne selbst daran zu verdienen. Grund genug, den 3. Und 4. Mai ausgiebig mit ihr zu feiern. Grund genug ihr ein Denkmal zu setzen.

In eigener Sache:

Ende 2002 nahmen wir ein längst fälliges Projekt in Angriff: Hanne Mogler und dem Foolsgarden ein Denkmal in Form eines Fernseh- Portraits zu setzen. Die Vorbereitungen wurden getroffen, die Umsetzung schien angesichts der Bedeutung des Foolsgarden und der bewegten Geschichte Hanne Moglers eine Kleinigkeit zu sein. Allein – es fand sich kein Sender, der bereit gewesen wäre 45 Minuten Sendezeit und ein kleines Budget für die Ehrung einer der Keimzellen deutscher Comedy Kultur zu opfern.
“Zu regional”, sagte ein Redakteur, “nicht unsere Baustelle”, ein anderer. Kurz und gut: “Kein Quotenbringer”.  Es sollte nicht sein, der Film wurde nicht gedreht. Doch Redakteure kommen und gehen, der Foolsgarden bleibt, und wir freuen uns, am 03. Und 04. Mai 2003 mitfeiern zu können: 25 Jahre Hanne und der Foolsgarden.

Auf dass uns die beiden noch lange erhalten bleiben.
Herzlichen Glückwunsch. Prost.

Tom Beege und Ramon Kramer

Fools Garden wurde 1977 gegründet – zunächst als Treffpunkt für Straßentheaterkünstler, Pantomimen, Clowns und Musiker. Es wurden vielfach Workshops (u.a. mit Django Edwards) veranstaltet. 1979 wurde der Verein eingetragen und die Bühne aufgebaut.

Fools Garden war auch ab 1979 kulturpolitisch initiativ im Bereich des freien Theaters und hat die Politik und Stadtbewohner durch Initiativen (Mitorganisator des 1. Festivals der freien Theatergruppen, Lobbyarbeit, Veranstaltungen) auf die Belange dieses für Hamburgs Kulturleben wichtigen Bereichs aufmerksam gemacht. Hier war der Fools Garden auch aktiv in der Programmgestaltung der ersten “Alstervergnügen”.

Der Zweck des Vereins/ Bühne war vornehmlich, freiem Theater jenseits des Staatstheaters überhaupt eine Bühne für Darstellung anzubieten. Jeder, der neue Ideen bzw. erste Schritte auf der Bühne, ausprobieren wollte, konnte hier immer auftreten. Da das Konzept keine inhaltlichen und qualitativen Einschränkungen aufstellte, war die Bühne ein natürliches Sprungbrett für alle neu entstehenden Darstellungsformen, wie auch Inhalte und somit ein lebendiger Katalysator im experimentierfreudigen Theaterumfeld der “Freien”.

Zusätzlich hat Fools Garden immer seine Einrichtung dem Stadtteil zur Verfügung gestellt und ethnischen Gruppen Möglichkeiten der Zusammenkunft und Darstellung ihrer Lebensweisen und Kultur (folkloristische Veranstaltungen usw.) gegeben.

Darüber hinaus war das Theater bemüht Kinderkurse, -feste und Veranstaltungen anzubieten.

Stilistisch bildete sich über die Jahre ein Programm ab, das Zauberkunst, dadaistisches Musiktheater, Pantomime, Puppentheater, Comedy, Free jazz, Folklore, Kabarett (Schwulentheater, Travestie, politisch) und Jugendrock umfasste.

Hier spielten in ihren Anfängen Künstler wie Achim Konejung, Ernie Schmidt (Lilo Wanders), Günter Schmidt, Stefan Gwildis, Bernhard Wolf, Christian von Richthofen, Alma Hoppe u.v.m.

Die inhaltliche Ausrichtung und das Konzept hat sich über die Jahre gehalten, wobei Straßenfeste, Schülertheaterveranstaltungen, die Konzertreihe Jazz im Schanzenviertel und das Projekt NEXT GENERATION, eine Kooperation mit dem jungen Jazzbereich der Hochschule für Musik und Theater hinzu gekommen sind.

Das Theater Foolsgarden in der Lerchenstraße

Gespräch mit Hannelore Mogler in der OXMOX 2007

Das Foolsgarden Theater ist vielen ein Begriff. Seit 1978 ist der Verein ein Synonym für bunten künstlerischen Austausch. Es ist eine Bühne für Jedermann. Professionelle als auch Laienkünstler, ohne Dünkel und Elitismus. Hier findet man von allem etwas, Musik wie Theater und sogar skurrile Formate wie Zaubershows und Hexensabbate. Hinter all dem steht eine einzige Frau: OXMOX sprach mit Hanne Mogler, die gleichermaßen Gründerin, Leiterin und Veranstalterin des Foolsgarden ist. Außerdem ist sie allabendlich Chefin hinter dem Tresen und manchmal auch mitwirkende Künstlerin im Schanzenviertel…

Als wir uns im Foolsgarden treffen, kommt Hanne Mogler gerade von einem Besuch bei ihrer Mutter zurück. Noch ganz in der familiären Welt gefangen, holt sie prompt ein Familienalbum heraus und zeigt mir alte schwarz-weiß-Fotografien.
Geboren wurde sie 1947 in einem kleinen Dorf namens Wüstenrot (bei Heilbronn), “da, wo die erste Bausparkasse gegründet wurde- Ich bin eigentlich ganz toll aufgewachsen, ein Haus mit Garten mitten im Wald. Weil meine Mutter aus der Bretagne stammt sind wir immer zwischen Frankreich und Deutschland hin- und hergetingelt.” Sie erzählt mir Geschichten aus der Kindheit: Wie sie bei einem Blinden Gitarre lernte und wie sie im Schultheater als Teufelchen debütierte, “weil ich ja immer schon etwas für Theater übrig hatte”. Bereits mit 16 Jahren singt sie ab und an in Tanzcafés.
Nach dem Schulabschluss macht sie eine Lehre als Dekorateurin.
“Da konnte man sich wenigstens so anziehen, wie man wollte. Ich hatte feuerrote, mit Henna gefärbte Haare und schminkte mich stark.”
Von 1968 bis 1972 lebt sie in Berlin, als alleinerziehende Mutter, und produziert dort eine Single. Als Bodo Albes´ Künstlermanagement eine Leadsängerin sucht, kommt sie nach Hamburg. “Das waren Jean-Jaques Kravetz, Steffi Stephan, Thomas Kretschmer und Udo Lindenberg, der damals noch Schlagzeug gespielt hat. Da haben wir dann geprobt und geprobt. Das war aufregend!”
Bald darauf arbeitet sie jedoch wieder als Dekorateurin, um Geld zu verdienen. Zwischendurch lernt sie in Paris Pantomime und Steppen. Sie macht Straßentheater und organisiert Kurse. Ihre Wohnung in der Bornstraße füllt sich mit Künstlern aus Dänemark, Frankreich und Italien. “Da waren die ganzen Leute, aber der Eisschrank war immer leer: So ist die Idee des Foolsgarden eigentlich entstanden.” Der Name signalisiert die Nähe zu der damaligen Fools-Bewegung der Straßenkünstler.
Wenn sie von den Künstlern spricht, die bei ihr auftraten stößt man auf viele bekannte Namen: Corny Littmann, Scheibe, Django Edwards, Die Spalding Sinters (mit Ernie Reinhardt alias Lilo Wanders), Stefan Gwildis (damals noch als Aprillfrisch) und viele andere damals noch unbekannte Stars haben ihre ersten künstlerischen Gehversuche im Foolsgarden unternommen: “Da hat sie noch keine Sau gekannt – die haben alle bei mir angefangen. Viele kommen heute noch – wie z.B. Scheibe, wenn er eine neue Platte testen will, oder einfach als Gäste zu Veranstaltungen.”
1996 zieht der Foolsgarden vom Grindel in die Schanze, wo er sich heute noch befindet. Gemeinsam mit Freunden renoviert Hanne die ehemalige Schinkeräucherei und eröffnet neu innerhalb von vier Wochen.
Auch während unseres Gesprächs bleibt Hanne immer in Aktion. Sie hört den Anrufbeantworter ab, serviert einer Nachbarin ein Bier und einen kleinen Plausch, überprüft die Programmzettel und kehrt Glasscherben zusammen. Zwischendurch raucht sie ungezählte Mentol-Zigaretten. Und immer wieder greift sie zurück auf die Fotos: Sie zeigt mir ihre Eltern, Ihre Geschwister, und ihren Sohn Pascal, der 1983 tragisch bei einem Autounfall ums Leben kam, mit nur 17 Jahren…
Dann nimmt sie mich mit in ihr Büro, das gleichzeitig ihre Wohnung ist. Man sieht, dass es auch hier keine Trennung von beruflich und privat gibt. Es ist immer die “private” Hanne, die man auch hinter der Theke antrifft. Der Foolsgarden ist nicht nur ihr Lebenswerk; er ist ihr Leben.
Seit dem Anfang ist sie ihrem Konzept treu geblieben: Es ist eine Spielstätte für jeden, der auftreten will und dient als Sprungbrett. “Hier kann jeder spielen, ob alt oder jung. Ob nun saugut oder sauschlecht!” Die Vielfältigkeit des Programms entspricht ihrem unkonventionellen persönlichen Werdegang. Es ist ein Ort, an dem die kategorielle Einteilung in Gengres hinter dem spontanen Erlebnis zurücktritt. “Alles bunt gemischt. Von Hip-Hop über Tango bis Jonglieren und Varieté oder Theater”. Es darf und soll sich alles kreuzen. “Denn genau dadurch entsteht viel.”, meint Hanne Mogler. “Es herrscht immer viel Interaktivität, der Kontakt zu den Künstlern ist sehr direkt. Und weil es klein und familiär ist, traut man sich mehr.” Rund 40 Besucher passen bei einer gut besuchten Veranstaltung in die Räumlichkeiten. Manchmal greift sie noch spontan zur Singenden Säge, ihrem Instrument, und spielt selbst mit. Aber ansonsten möchte sie “den Platz den Nachkommen überlassen; ist ja auch so genug zu tun!” es ist auch ein Raum für Schülergruppen und freie Theaterprojekte. “Geht alles!” Man könne ihr einfach auf den Anrufbeantworter sprechen, wenn man etwas aufführen will, sagt sie, “Ich ruf jederzeit zurück.”
Finanziell gesehen ist der Foolsgarden e.V. ein Idealismus-Projekt. Es ist ein Förderverein und sämtliche Eintrittsgelder gehen an die Künstler. Die Zuschüsse von der Kulturbehörde bleiben seit 1980 bei steigenden Unkosten gleich und decken nur ca. 25% von dem ab, was eingewirtschaftet werden muss. Doch Hanne Mogler ist froh, überhaupt etwas zu bekommen, noch nicht “gestrichen” worden zu sein.
“Der allgemeine Kulturabbau ist ganz gruselig Und wenn sie noch die “Alten” wie uns streichen, dann kannst du die Kultur bald in der Pfeife rauchen! … Kommt drauf an, was für eine.”, sie lacht. “Ich hab mein Leben lang gearbeitet. Das bisschen was ich an Rente zu erwarten habe, reicht nicht. Ich muss eigentlich weiter machen…” Auf die Frage, ob sie Angestellte hat, schaut sie verwundert. “Woher denn? Mal hin und wieder die ehrenamtliche Mitarbeit von Freunden.” Leichter werde es nicht. “Ich werd´ ja auch irgendwann mal älter; oder bin es schon.” Sie kichert wieder fröhlich. Ans Aufhören denke sie aber ohnehin nicht. “Ich mach das so lange, bis ich umfalle.”
Irgendwann, wenn Hanne Mogler ein bisschen Zeit hat, will sie ihre Biografie schreiben. “Mein Leben, dass sind 10 Bücher.”
2007 steht erst einmal das 30-jährige Jubiläum des Foolsgarden bevor – Hanne plant bereits ein großes Straßenfest…