Ein Text zum 25. Jubiläum des Foolsgarden von Tom Beege und Ramon Kramer

4. März 2012

Hanne Mogler und der Foolsgarden

Ein Leben für die Kleinkunst

Aprill 2003

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Ein Jubiläum steht an. Am 03. Und 04. Mai 2003 wird gefeiert:
25 Jahre Foolsgarden. Bühne, Theater und Bar in der Lerchenstraße, inmitten des Schanzenviertels. Heimat für Zauberei, Musik, Theater, Kleinkunst, Pantomime und Skurriles. Hort für Kulturbeflissene und Künstler, Freaks und versprengte Nachtschwärmer. Treffpunkt zwischen Alter und Neuer Flora, Fixstern und Yuppie-Bars, Döner-Buden und Design-Shops, die das Viertel prägen und stetig verändern. Ein Mikrokosmos, der die Kultursenatoren kommen und gehen gesehen hat.

Der Foolsgarden ist geblieben. Seit zwei einhalb Jahrzehnten hat er seinen festen Platz in der Hamburger Musik- und Kleinkunstszene, jenseits von Pomp, Prestige und Promi-Präsentation.
Hier steht Hanne Mogler Nacht für Nacht hinterm Tresen. Kellnert. Wäscht ab. Leert Aschenbecher. Kämpft mit den Behörden und engagiert Künstler, die allabendlich ihr Programm präsentieren. Hanne Mogler ist Selfmade -Woman, die gute Seele des Hauses oder einfach: “Uns Hanne”.

Corny Littmann, Dominique Horwitz, Ernie Reinhardt alias Lilo Wanders, Alma Hoppe, Herrchens Frauchen, Christian von Richthofen, Stefan Gwildis – sie alle und viele mehr starteten hier ihre ersten Gehversuche noch bevor irgendwer eine müde Mark auf sie gesetzt hatte.


Bis heute macht Hanne Mogler keinen Unterschied zwischen Stars, Sternchen und Amateuren. “Bei mir kann jeder spielen”, sagt sie. “Ich wähle nicht aus. Hier sind alle gleich.”

1978 gründete Hanne Mogler den Foolsgarden in der Bornstraße, mitten im Universitätsviertel. Dort blieb sie bis 1996, als das Haus abgerissen wurde. Seitdem residiert der Foolsgarden in der Lerchenstraße.
Die Künstler kommen aus verschiedenen bereichen, Theater, Varieté, Musik, Travestie, Kabarett, Comedy ect. und erhalten 100% des Eintritts.
Der Foolsgarden ist ein Förderverein ohne finanzielles Eigeninteresse.

1947 in Wüstenrot geboren, führte es Hanne Mogler über Berlin nach Hamburg. In einer Zeit, die die Kleinfamilie feierte und in der Ruhe erste Bürgerpflicht war, zog sie, grade 18 Jahre alt, als alleinstehende Mutter ihren Sohn Pascal auf.

Sie lernte Dekorateurin und ging ihren eigenen Weg: Pantomimenausbildung in Paris. Straßentheater.

Frontsängerin in einer Band mit Udo Lindenberg. “Hanne hat Feeling und Power.”, so der Mann mit dem Schlapphut damals, der ihrem Sohn Pascal das erste Schlagzeug besorgte.

1983 ein tragischer Einschnitt: Im Alter von 17 Jahren kommt Pascal bei einem Unfall ums Leben. Der Foolsgarden, die Künstler, die Kunst werden Hanne Moglers Familie.
Sinn und Inhalt für ein Leben, dass der Kultur gewidmet ist. Am Rande des Existenzminimums folgt sie ihrer Leidenschaft für Bühne und Kleinkunst.
Sie liebt bis heute was sie macht; und sie macht was sie liebt.

Und wenn am Ende der täglichen Veranstaltungen die Künstler schon gegangen sind und die letzten Gäste an der Theke sitzen, greift sie manchmal zu ihrem Instrument, eine alte Säge und bringt selbst die zum singen.

In ihren wenigen ruhigen Momenten träumt Hanne Mogler von einem Haus am Meer, in dem sie sich einfach zurücklehnt und jemandem ihre Geschichte erzählt, der sie mitschreibt. “Doch vermutlich werde ich hinterm Tresen sterben,”, sagt sie lachend und eilt zum Telefon, den nächsten Termin klar machen, den nächsten Künstler engagieren. Hanne Mogler hat wie kaum eine andere Frau dem Untergrund der Hamburger Kultur Leben eingehaucht, ohne selbst daran zu verdienen. Grund genug, den 3. Und 4. Mai ausgiebig mit ihr zu feiern. Grund genug ihr ein Denkmal zu setzen.

In eigener Sache:

Ende 2002 nahmen wir ein längst fälliges Projekt in Angriff: Hanne Mogler und dem Foolsgarden ein Denkmal in Form eines Fernseh- Portraits zu setzen. Die Vorbereitungen wurden getroffen, die Umsetzung schien angesichts der Bedeutung des Foolsgarden und der bewegten Geschichte Hanne Moglers eine Kleinigkeit zu sein. Allein – es fand sich kein Sender, der bereit gewesen wäre 45 Minuten Sendezeit und ein kleines Budget für die Ehrung einer der Keimzellen deutscher Comedy Kultur zu opfern.
“Zu regional”, sagte ein Redakteur, “nicht unsere Baustelle”, ein anderer. Kurz und gut: “Kein Quotenbringer”.  Es sollte nicht sein, der Film wurde nicht gedreht. Doch Redakteure kommen und gehen, der Foolsgarden bleibt, und wir freuen uns, am 03. Und 04. Mai 2003 mitfeiern zu können: 25 Jahre Hanne und der Foolsgarden.

Auf dass uns die beiden noch lange erhalten bleiben.
Herzlichen Glückwunsch. Prost.

Tom Beege und Ramon Kramer

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